Der Mehrkämpfer unter den Athleten - Audi S3 Sportback

Die neue Generation des Audi S3 hat nicht nur ein paar PS mehr bekommen, er ist vor allem in Sachen Fahrkultur nun nochmals einen ganzen Schritt weiter als sein Vorgänger. Daher liegt seine größte Stärke auch nicht im Tempobolzen.

SP-X/Köln. Elektroautos hin, Plug-in-Hybride her – es gibt sie noch, die sportlichen, etwas unvernünftigen Kompaktmodelle mit dynamischem Anspruch. Ende vergangenen Jahres etwa hat Audi mit dem S3 den vorläufig stärksten Kompakten im VW-Konzern vorgestellt. Warum vorläufig? Weil es demnächst einen RS 3 Sportback mit 400 PS geben wird.

Wir begnügen uns also zunächst mit den 310 PS, die der bekannte Zweiliter-Turbo (Baureihe EA888) im S3 aus dem Ärmel schüttelt. Das sind immerhin 65 Pferdchen mehr, als das Aggregat im Klassiker Golf GTI leistet. Der Ingolstädter rechtfertigt seine rund 9.000 Euro Aufpreis gegenüber dem Wolfsburger aber nicht nur mit mehr Leistung, sondern auch mit seinem serienmäßigen permanenten Allradantrieb.

Der Vierzylinder war auch in der vorherigen Generation des S3 an Bord, bekam für die neue Version aber zwei Handvoll Extra-PS spendiert. Immer mehr, immer leistungsfähiger: Anders geht es bei einem sportlichen Auto ja schließlich nicht. Der Antrieb hält ansonsten keine Überraschungen bereit und das ist positiv gemeint. Er baut zügig Druck auf, reagiert schnell auch auf feine Gasstöße und entwickelt seine 400 Newtonmeter über ein breites Drehzahlband. Nach 4,8 Sekunden hat der knapp 1,6 Tonnen wiegende Audi die 100-km/h-Marke erreicht, bei 250 km/h wird wie meist üblich dem Vortrieb ein Ende gesetzt.

Dank des Allradantriebs und eines hervorragend abgestimmten Fahrwerks kann man den S3 kaum mal in eine Situation bringen, in der auch nur das ESP tätig werden müsste. Der im Vergleich zu den Standardmodellen um 1,5 Zentimeter tiefer gelegte Kompakte fährt wie auf den sprichwörtlichen Schienen und gibt seinem Fahrer (und den übrigen Passagieren) dabei ein sattes Gefühl von unerschütterlicher Sicherheit und Solidität.

Die wirklich große Stärke des S3 liegt aber in seiner Alltagstauglichkeit. Und dies hängt nicht zuletzt an den verschiedenen Fahrmodi, mit denen sich das Fahrwerk von sportlich-hart bis alltagstauglich-kommod einstellen lässt. Daneben werden auch Lenkung, Gasannahme, Getriebe und Motorsound feinjustiert. Gerade im letzteren Fall eine gute Sache, auch der Sportfahrer möchte schließlich nicht unbedingt mit röhrendem Motor durch ein Wohngebiet fahren. Zudem gibt es gegen Aufpreis (1.130 Euro) das empfehlenswerte Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern. So wird der Athlet vom Sprintspezialisten zum Mehrkämpfer, denn auch lange Strecken lassen sich im Audi sehr kommod zurücklegen.
Allerdings darf man den Verlockungen der Leistungsreserven nicht allzu oft nachgeben. Schnell springt der Verbrauch auf zweistellige Werte, wenn man die Möglichkeiten der gut abgestimmten Kombination aus Turbobenziner und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S-Tronic) ausnutzen will. Wir blieben mit einer ausgewogenen Mischung aus sportlicher und zurückhaltender Fahrweise im Schnitt gerade so unter 10 Litern. Übrigens: Nicht wenige S3-Fans werden nach wie vor traurig sein, dass ein Handschalter nicht zur Verfügung steht.

So wie der Kompaktsportlicher fahrtechnisch die Welten miteinander zu verbinden versteht, so tritt er auch optisch auf. Für die natürlich trotzdem notwendige Dramatik sorgen ein mattschwarzer Kühlergrill mit großen Waben, spezielle Lufteinlässe, farblich abgesetzte Seitenschweller, Außenspiegel in Alu-Optik und das markante Heck mit Diffusor und vier Endrohren. Das alles ist aber so geschickt gemacht, dass der S3 sich zwar optisch deutlich von einem A3 unterscheidet, gleichzeitig aber nicht clownesk übertrieben wirkt.

Wie eigentlich immer bei solchen Fahrzeugen ist das Hauptproblem der Preis. Schon 48.000 Euro Basisauszeichnung sind nicht gerade ein Pappenstiel, aber wie bei den anderen Premiumherstellern auch muss man bei Audi immer noch vieles dazu buchen, wenn das Fahrzeug wirklich gut und sinnvoll ausgestattet sein soll. Schon wer die Preisliste mit spitzen Fingern anpackt, wird kaum unter 60.000 Euro wegkommen, wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eher 65.000 Euro einkalkulieren. Ein Wert, den unser Testwagen nochmal locker übertroffen hat.
Zwar handelt sich um einen echten Audi, wer das anders sehen will, könnte aber auch einwenden, dass der S3 auf dem gleichen Baukasten beruht wie etwa ein Golf GTI. Entsprechend kommen einem auch einige Dinge bekannt vor, etwa der keineswegs überzeugende Stummel als Automatik-Wählhebel, die Infotainment-Technik mit den virtuellen Instrumenten und dem großem Touchscreen-Infotainmentsystem in der Mittelkonsole. Immerhin verzichtet Audi auf die viel kritisierten, weil schlecht zu dosierenden und fummeligen Sliderflächen für Lautstärke und Klimaregelung.

Von diesen Kleinigkeiten abgesehen, ist der S3 in seiner Eigenschaft als sportlicher Kompakter schon recht Nahe an einer Perfektion, zumindest nach aktuellem Stand. Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bedienung, Sitze und vieles andere, was den Spaß am Autofahren im Alltag maßgeblich definiert, kommen hier auf höchstem Niveau zusammen. Jetzt müsste man sich diesen Spaß nur noch leisten können.

Peter Eck/SP-X

Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges Steilheckfahrzeug der Kompaktklasse; Länge: 4,35 Meter, Breite: 1,82 Meter (mit Außenspiegeln: 1,98 Meter), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,63 Meter, Kofferraumvolumen: 325 – 1.145 Liter
2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 228 kW/310 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 2.000 – 5.450 U/min, permanenter Allradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (S-Tronic), 0-100 km/h: 4,8 s, Vmax: 250 km/h, Normverbrauch: 8,0 – 8,3 Liter/100 Kilometer (WLTP), CO2-Ausstoß: 182 – 188 g/km (WLTP), Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: D, Testverbrauch: 9,7 Liter/100 Kilometer
Preis: ab 48.000 Euro

 


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