Grobe Typen mit Manieren - Pick-ups in Deutschland

Deutschland war nie Pick-up-Land. Und doch explodierte in den 10er-Jahren das Angebot dieser Kleinlaster. Jetzt ist ihre Zahl wieder klein und in einigen Fällen sogar ziemlich fein.

SP-X/Köln. In den 10er-Jahren stand Deutschland im Bann des Pick-up-Booms. Zu den neuen Nutztier-Sternchen zählten VW Amarok, Mercedes X-Klasse, Fiat Fullback oder Renault Alaskan. Doch so plötzlich wie die vielen neuen Kraxler auftauchten verschwanden sie auch wieder. Selbst Dauerbrenner wie ein Land Rover Defender überlebten das große Sterben nicht. Tot ist das Segment hierzulande dennoch nicht. Einige Hersteller halten an den kernigen Blechkameraden fest und modernisieren sie sogar. Immerhin fünf jüngst aufgefrischte oder bald neu startenden Modelle gibt es noch.

Ein großer Klassiker der Pick-up-Szene ist der seit 2015 in bereits achter Generation gebaute Hilux, dem Toyota in diesem Jahr eine große Modellpflege gegönnt hat. Der neue Hilux zeichnet sich äußerlich zum Beispiel durch einen bulligeren Kühlergrill, überarbeitete Stoßfänger und optionale LED-Lichter aus. Mit der neuen Ausstattungslinie “Invincible” fährt der Hilux mit mehr Noblesse als bisher ins Abenteuerland. Ledersitze, ein modernes Multimedia-System mit 8-Zoll-Touch-Screen Monitor oder eine 360 Grad-Kamera sind hier serienmäßig dabei. Bei den 2WD-Varianten wurden die Offroad-Fähigkeiten durch elektronische Helfer optimiert. Die Allradversionen nehmen ohnehin fast alles unters grobe Profil, was auf sie zukommt. Zum bekannten 2,4-Liter-Diesel mit 110kW/150 PS hat sich ein 2,8-Liter-Diesel mit 150 kW/204 PS gesellt. Die Ablösesumme für den aufgefrischten Hilux startet bei 28.500 Euro für die zweitürige Single-Cab-Version mit 150 PS und endet beim viertürigen Double Cab “Invincible” mit 204 PS für 55.400 Euro noch lange nicht.

Ebenfalls sowohl als Arbeitstier und alternativ als Lifestyler erhältlich ist die Anfang 2021 eingeführte Neuauflage des Isuzu D-Max. „Isu was?!“ werden jetzt einige vielleicht fragen. Doch die selbst Autokennern fremde Baureihe gibt es seit fast 20 Jahren und seit 2006 auch in Deutschland. Mittlerweile ist der in Thailand produzierte Japaner in dritter Generation erhältlich, die sich durch schickes Styling, viele Assistenzsysteme sowie moderne Infotainment-Technik auszeichnet. Das Basismodell wird mit Einzelkabine ausgeliefert, alternativ sind eine zweitürige „Space-Cab“-Variante und eine viertürige „Double Cab“-Ausführung zu haben. Für den Antrieb sorgt ein 1,9-Liter-Diesel mit 120 kW/163 PS, der wahlweise an eine manuelle Sechsgangschaltung oder ein Automatikgetriebe gekoppelt und mit Differenzialsperre kombinierbar ist. Allradantrieb ist für Doppel- und Space-Kabine Standard, für Einzelkabine optional. Den Start macht die nutzlastorientierte (1,1 Tonnen) Variante „L“ zu Preisen ab 29.450 Euro, Top-Modell ist der „V-Cross“ mit LED-Licht, Teilledersitzen und großem Navi zu Preisen ab 48.850 Euro.

Ein weiterer vor nicht allzu langer Zeit aufgefrischter Pick-up-Klassiker japanischer Provenienz ist der L200 von Mitsubishi. Die Ende 2019 eingeführte Neuauflage zeichnet sich durch ein futuristisches Design mit einem Schuss Angriffslust aus. Als Antrieb dient ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 110 kW/150 PS, was reicht, um bis zu 3,1 Tonnen an den Haken zu nehmen. Außerdem setzt der japanische Hersteller nun auf ein Automatikgetriebe mit sechs statt fünf Gängen. Sicherheitstechnisch bietet der L200 unter anderem Fußgängererkennung und Totwinkelwarner. Preislich legt er als Single-Cab-Arbeitstier bei 32.190 Euro los, für die Version mit Doppelkabine werden mindestens 34.000 Euro fällig. Wer eine möglichst noble Ausstattung mit reichlich an Assistenzsystemen, Multimediatechnik, Ledersitzen und Zwei-Zonen-Klimaautomatik will, sollte den L200 Top mit Fahrassistenz-Paket für rund 46.000 Euro ordern.

Bereits etwas betagter ist der seit 2016 in Deutschland angebotene US-Klassiker Ford Ranger, der in einer großen Bandbreite verschiedener Typen und Versionen zu haben ist. Weiterhin gibt es den Ami als eher schmuckloses Arbeitstier mit Einzelkabine und sogar nacktem Fahrgestell. Alternativ stehen auch einige schicke Lifestyle-Versionen zur Wahl. Viel Strahlkraft hat der Kraxler in der Version Raptor, die vor allem anspruchsvolle Offroad-Profis mit feinster Geländetechnik, nobler Ausstattung und einem 156 kW/213 PS starken Diesel mit 10-Gang-Automatik begeistern soll. Mit rund 67.000 Euro liegt hier allerdings auch die Preislatte ziemlich hoch. Der aktuelle Ranger befindet sich bereits auf der Zielgraden, denn nächstes Jahr kommt ein Nachfolger, der auch Basis für einen neuen VW Amarok sein wird. Zum Finale wird der Ranger deshalb in Deutschland als Wolftrak und Stormtrak angeboten. Während sich das rund 41.000 Euro teure Sondermodell Wolftrak als robustes Arbeitstier zum Beispiel an Nutzer in der Land- und Forstwirtschaft richtet, ist der 53.000 Euro teure Stormtrak mehr Richtung Luxus und Lifestyle unterwegs.

Ebenfalls dem Pick-up die Treue hält Sangyong mit dem Musso. Mit einem Basispreis von rund 30.500 Euro markiert der mindestens 5,10 Meter lange Koreaner den günstigsten Einstieg in die Welt der Doppelkabine-Pick-ups. Eine Single-Cab-Version ist vom Musso ohnehin nicht verfügbar. Dafür können Kunden zwischen dem Musso mit kurzer Ladefläche oder dem Musso Grand mit langer Heckpartie wählen. Einzig verfügbarer Antrieb ist ein 133 kW/181 PS starker Vierzylinder-Diesel. Neben Zweirad- und Allradantrieb ist optional auch ein Automatikgetriebe bestellbar. Die Basisversion bietet einige Annehmlichkeiten wie Tempomat, Audiosystem oder Klimaanlage. Wer viele Assistenzsysteme, Ledersitze, beheizbare Frontscheibe, Infotainmentsystem mit Navi und vieles mehr will, muss die rund 40.000 Euro teure Version Sapphire ordern. Als Musso Grand liegt die Topversion bei rund 41.800 Euro. Im Frühjahr 2022 wird Ssangyong den Musso in Deutschland in aufgefrischter Form an den Start bringen. Das Facelift bringt unter anderem Änderungen bei der Optik sowie ein moderneres Infotainmentsystem mit sich.

Mario Hommen/SP-X

 







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