Minimalismus ist Trumpf - VW Caddy California

VW hat die Camping-Version des Caddy in der fünften Generation des Mini-Vans zum California geadelt. Er wird mit zwei Radständen angeboten, wobei die 35 Zentimeter Platzgewinn der Langversion ausschließlich dem Stauraum zugute kommen. Ansonsten ist die Camper-Ausstattung eher minimalistisch.

SP-X/Fladungen. California – ein klangvoller Name in der Reisemobil-Gemeinde. Seit über drei Jahrzehnten steht er für den Campingbus-Bestseller von Volkswagen. Doch die aktuelle Version T6.1 ist keineswegs mehr allein. Vor zwei Jahren ist der Grand California auf Basis des großen Crafters hinzugekommen, und mit dem Caddy California wird die VW-Camper-Familie nun komplettiert. Nach der kurzen Version des Mini-Campers, die ab rund 30.000 Euro angeboten wird, ist jetzt auch die Variante mit langem Radstand verfügbar. Die steht zwar ab knapp 33.000 Euro in der Preisliste, die uns für eine Testfahrt zur Verfügung gestellte Ausführung mit Vollausstattung, der mit 90 kW/122 PS stärksten Ausbaustufe des 2,0-Liter-Dieselmotors und 4Motion-Allrad schlägt allerdings schon mit fast 55.000 Euro zu Buche.

Mit dem in Corona-Zeiten eher noch verstärkten Ansturm auf die Wohnmobile hat sich auch die Kundschaft deutlich verjüngt. Nach einer GFK-Studie des Caravaning-Verbandes CIVD stellen die 20- bis 30-Jährigen mittlerweile sogar die am meisten Caravaning-affine Altersgruppe. Bei den jüngeren Käufern sind vor allem kompakte und wendige Fahrzeuge gefragt – mit starkem Drang zu minimalistischeren Ausbauten.  

„Hauptsache Bett an Bord“ ist hier das Motto. Denn neben voller Alltagstauglichkeit steht der jederzeit mögliche Kurztrip zum Biken, Surfen, Wandern, Angeln oder was auch immer mehr im Fokus als der mehrwöchige Urlaub. Und außer Platz für die Ausrüstung zum Ausüben sportlicher Freizeit-Aktivitäten genügt für eine Übernachtung in freier Natur eben oft schon ein bequemes Bettchen im Trockenen. Genau diese Zielgruppe hat Volkswagen mit dem neuen Caddy California im Visier.

Das Bett liegt in drei Teilen auf ein Drittel zusammengefaltet hinter der zweiten Sitzreihe im Kofferraum. Es wird mitsamt der Tellerfedern-Unterlage und der Kaltschaummatratze mit einem Griff nach vorne entfaltet und in zwei seitlichen Aussparungen in der B-Säule rechts und links verankert. Der Umbau ist tatsächlich im Handumdrehen erledigt, der Schlafkomfort bestens.

Da die zweite Sitzreihe nicht mehr wie beim Vorgänger Caddy Beach Teil der Bettkonstruktion ist, wird das 1,98 x 1,07 Meter breite Bett entweder über die umgelegten Rücksitze auseinandergefaltet, oder – das ist schließlich Sinn des neuen Mechanismus – die Rücksitze werden zuvor mit wenigen Handgriffen ausgebaut und der gewonnene Platz als zusätzlicher Stauraum genutzt.  

Ebenso wie bei den größeren California-Geschwistern gehören ein Campingtisch und zwei Campingstühle, die im Kofferraum in einer Tasche an der Unterseite des Bettes untergebracht sind, zum Serienumfang des Caddy-Campers. Und das schon in der Basis-Variante. Optional kann für 1.410 Euro Aufpreis zudem eine nach hinten ausziehbare Küche mit einem einflammigen Gaskocher und einer 1,4-Kilo-Gasflasche sowie einem Besteck- und Staufach für weitere Küchenutensilien geordert werden.  

Der Längenzuwachs von 35 Zentimetern bei der Variante mit langem Radstand kommt ausschließlich dem Stauraum zugute. Während der Küchenblock im kurzen Caddy hinten mit dem darüberliegenden Bett direkt an der Heckklappe abschließt, entsteht bei der Langversion zwischen dem Kopfteil des Betts und der Heckklappe zusätzlicher Laderaum neben dem Küchenauszug, der sich damit auch als Nachttischablage nützlich machen kann. Auf der linken (Küchen-)Seite macht sich der Platzgewinn im Fußraum hinterm Fahrersitz bemerkbar.

Um Ordnung in die vielen Kleinigkeiten zu bringen, die auf eine Urlaubsreise mitgenommen werden, hat VW passgenau für die beiden hinteren Seitenfenster jeweils zwei große Taschen entworfen, die per Klettverschluss angebracht werden. Sie können mit einem Tragegurt auch als Umhängetasche mitgenommen werden. Nachteil der mobilen Verstaumöglichkeiten: Im Fahrzeug eingesetzt beeinträchtigen sie die Sicht nach hinten erheblich. Eine externe Stromanbindung ist für den Caddy California ebensowenig vorgesehen wie eine Wasserversorgung. Da muss sich der Camper schon selbst mit Kanistern behelfen.

Die fünfte Caddy-Generation nutzt erstmals den sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns und bietet exzellenten Pkw-Komfort. Mit einem Nutzfahrzeug hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Ein Eindruck, der durch das digitale Cockpit und ein breites Angebot an Assistenzsystemen verstärkt wird, das bis hin zum automatischen Einparken mit Anhänger („Trailer-Assist“) oder gar zum teilautonomen Fahren mit dem „Travel Assist“ reicht – das meiste gegen Aufpreis, versteht sich. Das schicke Erscheinungsbild einschließlich des schmucken Hecks sowie das großflächige Panoramadach runden die ganze Sache ab.

Die stärkste Diesel-Variante mit 90 kW/122 PS und 320 Nm Drehmoment überzeugt mit souveränen Fahrleistungen (Spitze 185 km/h), macht auch voll beladen an den Steigungen der Rhön nicht schlapp, ist akustisch kaum wahrnehmbar und dürfte mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 l/100 km auf den Berg- und Tal-Etappen jeden Camper-Fan erfreuen. Auch am Fahrwerk der 4,85 Meter messenden Langversion gibt es nichts meckern.  

Die Preisskala für den kurzen Caddy California (4,50 Meter Länge) beginnt bei 29.886 Euro in Verbindung mit einem 55 kW/75 PS starken 2,0-Liter-TDI-Motor und Frontantrieb. Alternativ gibt es Dieselmotoren mit 75 kW/102 PS und 90 kW/122 PS Leistung sowie – im Gegensatz zu den größeren California-Brüdern – auch einen 1.5-TSI-Benziner mit 84 kW/114 PS. Da der kleine Selbstzünder in der Maxi-Variante mit langem Radstand nicht angeboten wird, beginnt dort der preisliche Einstieg mit dem Ottomotor bei rund 33.000 Euro.  

Preistreiber für die von uns gefahrene Topvariante ist in erster Linie der Caddy selbst, da die Optionsliste von den Motoren über die Assistenzsysteme, 7-Gang-DSG und 4Motion-Allradantrieb bis zu Infotainment, Klimaautomatik und vielem mehr lang ist. Die California-Ausstattung selbst bleibt minimalistisch.

Michael Lennartz/SP-X


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