Renntechnik zum Geburtstag - Honda Civic Type-R

Exakt 25 Jahre nach Erscheinen des ersten Honda Civic Type-R bringen die Japaner die neue Variante, die – mutmaßlich – stärker, aber in jedem Fall größer werden wird. Wir durften das Auto aus der Beifahrer-Perspektive auf dem Rennkurs erleben.

SP-X/Mailand. Wie der neue Honda Civic Type-R aussieht, ist bekannt. Seine technischen Daten nicht. Einen Blick unter die Motorhaube gestattet Honda bei der ersten Tuchfühlung als Beifahrer auf der Rennstrecke Circuito Tazio Nuvolari im italienischen Cervesina, aber das Triebwerk ist so reichlich mit Abdeckungen versehen, dass man die Zylinderanzahl nur erahnen kann. Eine Weiterentwicklung des Zweiliter-Vierzylinders ist allerdings wahrscheinlich. Von einem elektronischen Wastegate ist die Rede, damit lässt sich die Ladedruckregelung des Turbos fein justieren. Man kann davon ausgehen, dass die Techniker dem aufgeladenen Benziner ein etwaiges Turboloch eliminieren werden.

Dass die Ingenieure auf die 235 kW/320 PS des gerade auslaufenden Type-R noch eine Schippe draufgelegt haben, scheint zumindest realistisch. Der künftig schnellste Civic im Portfolio liefert jedenfalls veritablen Schub, wenn der Fahrer das rechte Pedal Richtung Bodenblech sinken lässt. Cockpit und Zentralmonitor sind trotz stattlicher G-Kräfte einsehbar und geben Aufschluss über spezifische Daten, die man auf dem Track braucht. Die Temperatur der angesaugten Luft beispielsweise, der Öldruck und die Öltemperatur. Bei 30 Grad Außentemperatur muss der Type-R jedenfalls ziemlich schuften und wird vom Werkstattteam mit Kaltluftföns unterstützt, um den gebeutelten Bremsscheiben Luft zuzuführen. Kurze Verschnaufpause, weiter gehts. Nestor Girolami, seines Zeichens WTCR-Fahrer, lässt den Type-R wieder über den Kurs rauschen, um das kleine virtuelle Bällchen auf dem G-Kräfte-Monitor möglichst weit in den Außenbereich schießen zu sehen. Die Mundwinkel zeigen nach oben, obwohl es langsam warm wird in der Passagierkabine – denn am Limit wird dem Kältekompressor die Energie abgestellt. Während man mit Mühe den Monitor mit der G-Kraft-Skala im Blick hält, treiben die Fliehkräfte das Blut des Beifahrers ebenfalls in die Außenbezirke – des Körpers nämlich.
Der Civic Type-R bleibt betont bodenständig, pfeift auf Hochtechnologie im Antriebsstrang; so erfreut er seine Fans mit manuellem Sechsganggetriebe – allerdings sorgt das Elektronikhirn der Box für eine Drehzahlanpassung. Auf diese Weise lässt sich beim Herunterschalten zum Beispiel ein Bremsmoment verhindern, wenn man es gerade so gar nicht brauchen kann.

Feinschliff an der Aerodynamik trägt ihren Teil zum Performance-Gewinn bei – ein Flügel mit überarbeiteter Formgebung erzeugt den erforderlichen Anpressdruck, um den Type-R selbst bei hochdynamischer Fahrt auf dem Asphalt zu halten. Leichtbau-Komponenten steigern die Agilität und senken den Verbrauch. Eine optimierte Brembo-Bremsanlage soll für Standfestigkeit auf der Rennstrecke sorgen. Es bleibt übrigens weiterhin beim Frontantrieb, was für die Leistungsklasse im Bereich von weit über 300 PS herausfordernd ist. Eine Differenzialsperre ist also erwartbar.

Schade, dass der neue Civic mit dem dreifachen Auspuff-Endrohr erst Anfang nächsten Jahres nach Europa kommt. Denn dann ist der 25.Geburtstag des Type R schon vorbei. Aber an der Vorfreude auf den potenten Volkssportler ändert das natürlich nichts.

Patrick Broich/SP-X


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