Schicker Typ mit Schwachstellen - Gebrauchtwagen-Check des Mazda 6 GJ/GL

Die Mittelklasselimousine Mazda6 steht im Schatten von VW Passat und Co. Unter den Scheffel braucht der Japaner sein Licht aber nicht zu stellen.

SP-X/Köln. Auf der Suche nach einer gebrauchten Mittelklasselimousine haben wohl die Wenigsten den Mazda6 auf dem Schirm. Im Wettbewerbsumfeld von VW Passat gilt der Japaner eher als Geheimtipp, obwohl er durch sein Aussehen und seine praktischen Seiten durchaus überzeugen kann.

Karosserie und Innenraum: Die aktuelle Generation des Mazda6 (Typ GJ/GL) ist seit Anfang 2013 auf dem Markt. Zwei Facelifts (2015 und 2018) haben das Fahrzeug optisch und technisch frisch gehalten. Die Mittelklasselimousine wird in zwei Karosserievarianten angeboten: als Stufenheck und als Kombi. Da deutsche Käufer den klassischen Viertürer nicht wirklich goutieren, machen die Kombiversionen das Gros des Gebrauchtwagenangebots aus. Der Kombi ist mit einer Länge von 4,81 Metern 6 Zentimeter kürzer als die Limousine. Sein Kofferraumvolumen variiert je nach Stellung der Rücksitzlehnen zwischen 522 bis 1.664 Litern (Limousine: 480 Liter). Für die meisten Transportaufgaben reicht dies.

Innen überzeugen beide Ausführungen mit guter Verarbeitung. Fans von großen Displays kommen allerdings nicht auf ihre Kosten; das Interieur spricht aber Menschen an, die simple und durchdachte Bedienung über klassische Knöpfe und Schalter vorziehen. Je nach Ausstattungsniveau gibt es Head-up-Display und Handy-Integration über Apple Car Play und Android Auto.

Motoren und Antrieb: Mazda hatte schon immer ein Faible für außergewöhnliche Motoren: Stichwort Wankelmotoren. Auch beim Mazda6 setzen die Japaner auf ein eher ungewöhnliches Antriebskonzept und arbeitet mit ungewöhnlichen Verdichtungsverhältnissen (beim Diesel besonders niedrig, beim Benziner besonders hoch). Am deutlichsten merkt der Fahrer das bei den Ottomotoren, die entgegen dem Branchentrend komplett ohne Turbo auskommen. Seit Markteinführung stehen direkt einspritzenden Sauger mit 2,0 und 2,5 Litern Hubraum zur Wahl. Die Zweiliter leisten 107 kW/145 PS und 121 kW/165 PS. Der 2,5 Liter kommt auf 141 kW/192 PS (seit 2018: 143 kW/194 PS). Die Triebwerke überzeugen mit Praxisverbräuchen nah der Normwerte (5,5 bis 6,7 Liter).

Bis Sommer 2021 hatte Mazda auch Dieselmotoren im Angebot, die als Option mit Allrad kombinierbar waren. Ein 2,2-Liter-Biturbo in den Ausbaustufen mit 110 kW/150 PS, 129 kW/175 PS und 153 kW/184 PS sorgte mit bis zu 445 Nm für ordentliche Durchzugskraft bei gleichzeitig niedrigen Verbräuchen. Das Einstiegstriebwerk ist im Idealfall in den technischen Daten mit 3,9 Litern ausgezeichnet, die stärkste Variante mit 135 kW/184 PS genehmigt sich 5,1 Liter. Statt dem serienmäßigem manuellen Sechsganggetriebe konnten Erstkäufer auch eine Sechsgang-Automatik ordern; sie ist Serie bei der Topversion.

Ausstattung und Sicherheit: „Prime-Line“, „Center-Line“, „Sports-Line“: Die Mazda6-Modelle sind noch nach dem bekannten Ausstattungsmuster der Marke sortiert. Der Basis-Sechser ist mit 17-Zoll-Aluräder, Klimaanlage und Musikanlage ordentlich bestückt. Das mittlere Komfortniveau bietet unter anderem Klimaautomatik und Tempomat. Die Top-Version hat etwa Xenonlicht (ab 2018: Matrix-LED-Licht), Soundsystem und 19-Zöller an Bord. 2018 wurde zudem zwischen Center- und Sports-Line die „Exclusive-Line“ als Kosten-Nutzen-Kompromiss eingezogen. Diese ist mittlerweile zur Einstiegsvariante befördert worden. Das Angebot an Assistenzsystemen geht über den damaligen Klassenstandard hinaus, im Basismodell sind die Helfer aber erst seit dem Facelift 2015 vorhanden. Beim Euro-NCAP-Crashtest erhielt der Mazda fünf von fünf Sternen.

Qualität: Beim der TÜV-Hauptuntersuchung (HU) zeigt sich der Mazda6 von guten und weniger guten Seiten. Den Prüfungspunkt Umwelt absolviert der Japaner ohne Fehl und Tadel, auch die Lenkung monieren die TÜV-Prüfer nicht. Gebrauchtwageninteressenten sollten bei der Achsaufhängung und den Achsfedern bei älteren Modellen genauer hinschauen (lassen), um teure Folgekosten zu vermeiden. Beim der HU fallen zudem Bremsbauteile wie Bremsscheiben sowie die Beleuchtungsanlage unangenehm auf.

Fazit: Der Mazda6 sieht immer noch gut aus, bietet gute Platzverhältnisse und ansehnlichen Komfort. Auf der Suche nach einem Gebrauchtmodell sollte man aber auf eine frische HU-Plakette achten. Modelle mit Benzinern starten ab rund 10.000 Euro, Dieselversionen sind etwa 3.000 Euro günstiger.

Elfriede Munsch/SP-X


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