Was bedeutet One-Pedal-Driving?

Mit der boomenden E-Mobilität kommt ein neuer Fahrstil in Mode: das One-Pedal-Driving. Das Prinzip ist einfach und bietet viele Vorteile. Es ist allerdings auch gewöhnungsbedürftig.

SP-X/Köln. Frage: „Mein Nachbar hat ein neues Elektroauto und schwärmt vom One-Pedal-Driving. Was ist das und was bringt das?“

Antwort von Stefan Ehl; Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS: Ins Deutsche übersetzt heißt One-Pedal-Drive schlicht Ein-Pedal-Fahren. Beim Führen eines Pkws wird dabei zum Erhöhen oder Verringern der Fahrgeschwindigkeit nur noch ein statt der normalerweise zwei Pedale benötigt. Das Prinzip funktioniert ganz ähnlich wie bei einem Jahrmarkts-Autoscooter. Wie bei diesen lässt sich auch bei einem Pkw allein mit dem Gaspedal die Geschwindigkeit nicht nur erhöhen, sondern außerdem vehement verringern. Allerdings verfügen zum Straßenverkehr zugelassene Pkw mit One-Pedal-Drive-Option weiterhin über ein Bremspedal für den Notfall. Mit dem Aufkommen der neuen Elektroautos hat das Fahren mit nur einem Pedal größere Verbreitung gefunden. Bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen kann die Antriebsmaschine nämlich für einen deutlich stärkeren Geschwindigkeitsabbau als bei einem Verbrennerfahrzeug sorgen. Wird hohes Bremsmoment gewünscht, muss lediglich der Fuß vom Gaspedal genommen werden. In der Regel schaltet dann die E-Maschine in den Generator-Betrieb um, bei dem Bremsenergie sogleich in elektrischen Strom gewandelt wird, der sich wiederum in der Traktionsbatterie zwischenspeichern lässt. Die so gewonnene Energie kann wiederum für den Vortrieb genutzt werden, was die Effizienz und damit bei E-Autos die Reichweite erhöht. Laut einer Studie der TU Eindhoven lassen sich speziell im städtischen Verkehr per One-Pedal-Driving Energieeinsparungen von durchschnittlich 8 Prozent einfahren.

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Elektroautos, bei denen der Fahrer in einen One-Pedal-Modus per Tastendruck wechseln kann. Wirklich sinnvoll nutzen lässt sich dieser nur im städtischen Verkehr. Dem Fahrer erlaubt der Modus ein feinfühliges Dosieren der Bremswirkung allein durch das negative Motordrehmoment. Entscheidend für den Tempoabbau ist die Stellung des Gaspedals. Wird dieses nur leicht zurückgenommen, setzt die Motorbremse dezent ein. Wird der Fuß spontan und vollständig vom Gaspedal genommen, setzt eine starke Bremswirkung durch den Antrieb ein. In der Regel ist diese so stark, dass automatisch die Bremslichter den rückwärtigen Verkehr warnen. Die beim vollständigen Lupfen des Gaspedals entstehende Bremswirkung kann jedoch keine Vollbremsung ersetzen. Für diese steht links vom Beschleunigungspedal weiterhin das Pedal der Friktionsbremse bereit.

Grundsätzlich ist das One-Pedal-Fahren gewöhnungsbedürftig, da Verbrennerfahrzeuge beim vollständigen Lupfen des Gaspedals und selbst beim Runterschalten mehrerer Gänge weniger stark Tempo abbauen. Entsprechend kann es zum Beispiel vor einer roten Ampel passieren, dass man bereits deutlich vor der Haltelinie zum Stehen kommt, weil man zunächst ein längeres Ausrollen des Fahrzeugs erwartet. In der Regel finden Fahrer jedoch schnell heraus, wie sich die Motorbremse dosieren und damit in ihrer Wirkung optimal nutzen lässt.

Das Prinzip bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Neben der Effizienz kann das One-Pedal-Driving die Lebensdauer der Bremsen erhöhen. Wird die Friktionsbremse seltener genutzt, kommt es naturgemäß zu weniger Verschleiß. Auch der Sicherheit kann das Ein-Pedal-Fahren zuträglich sein. Bei einer Gefahrenbremsung fällt nämlich die Verzögerung durch den Wechsel vom Gas- zum Bremspedal geringer aus, da bereits mit dem Lupfen des Gaspedals automatisch eine Bremswirkung einsetzt. Darüber hinaus erzieht der Modus zu einer vorausschauenden Fahrweise. Viele Fahrer empfinden das Prinzip zudem als komfortabel, denn in der Regel reicht es, den Fuß auf dem Gaspedal zu behalten. Der Wechsel auf die Bremse ist nur selten nötig.

Mario Hommen/SP-X


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